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Die Zwischenzeit

Das Alte trägt nicht mehr, das Neue ist noch nicht da. Über die Zwischenzeit, warum sie so schwer ist und was dir darin Halt geben kann.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich nicht wusste, ob ich eine schwere Erkrankung überlebe. Ich habe überlebt. Und danach passte nichts mehr.

Nicht auf einen Schlag. Eher so, wie wenn du nach langer Zeit in deine Wohnung zurückkommst und merkst: Alles steht an seinem Platz, und trotzdem fühlt es sich fremd an. Ich war innerlich ausgezogen. Nur ein neues Zuhause gab es noch nicht.

Heute weiß ich, dass ich damals in einer Zwischenzeit stand. Und ich erlebe gerade, dass sehr viele Menschen genau dort stehen.

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Wenn das Alte nicht mehr trägt

Vielleicht spürst du es auch. Worauf du dich lange verlassen hast, wird brüchig. Die Arbeit, die dich einmal ausgefüllt hat. Beziehungen, die sich verändert haben. Rollen, die leiser werden, weil die Kinder aus dem Haus sind oder weil der Beruf nicht mehr trägt. Und draußen eine Welt, die sich schneller verändert, als du mitkommst.

Das Alte ist nicht mehr da oder fällt gerade weg. Das Neue ist noch nicht zu sehen. Du stehst dazwischen.

Für diese Zwischenzeit gibt es in unserem Leben kaum einen Platz. Wir haben gelernt, zu wissen, wohin wir wollen. Einen Plan zu haben. Etwas vorweisen zu können. Wer sagt, ich weiß gerade nicht, wie es weitergeht, bekommt schnell Ratschläge statt Verständnis. Also sagen wir es lieber nicht. Und tragen es allein.


Die Pause zwischen zwei Atemzügen

Ich habe in der Zeit danach viel über den Atem nachgedacht. Zwischen Ausatmen und Einatmen gibt es einen kurzen Moment, in dem nichts geschieht. Die alte Luft ist draußen, die neue noch nicht drin.

Diesen Moment kannst du nicht überspringen. Und er ist kein Fehler. Er gehört zum Atmen dazu.

Die Zwischenzeit im Leben ist genau so eine Pause. Nur dauert sie Wochen, Monate, manchmal Jahre. Und weil sie so lange dauert, halten wir sie für einen Zustand, in dem etwas mit uns nicht stimmt. Dabei ist sie oft der Moment, in dem sich entscheidet, was mit in das Neue darf und was nicht.


Drei Arten, mit der Zwischenzeit umzugehen

In unserer Arbeit begegnen uns immer wieder drei Bewegungen. Keine davon ist falsch. Aber jede hat ihren Preis.

Festhalten. Du richtest die alte Wohnung wieder so ein, wie sie war. Du machst weiter wie vorher, obwohl du spürst, dass es nicht mehr passt. Das gibt für eine Weile Sicherheit und kostet auf Dauer dich selbst.

Überspringen. Du stürzt dich ins Nächste. Neuer Job, neues Projekt, neuer Mensch. Hauptsache, die Leere ist gefüllt. Oft merkst du erst später, dass du das Alte einfach mitgenommen hast.

Erstarren. Du tust gar nichts mehr. Nicht aus Ruhe, sondern aus Mutlosigkeit. Die Frage, wie es weitergehen soll, ist so groß geworden, dass jede Antwort zu klein wirkt.

Diese Bewegungen sind alt. Und oft sind sie nicht einmal unsere eigenen. In Aufstellungen zeigt sich immer wieder, dass Menschen in einer Zwischenzeit so reagieren wie Generationen vor ihnen, die schon einmal erlebt haben, dass alles wegbricht.


Was ich damals gelernt habe

Ich durfte mich damals neu auf die Beine stellen. Und zwar ganz anders als vorher. Ich habe angefangen, mein Leben anders zu gestalten und Grenzen zu setzen, wo ich früher einfach weitergemacht habe. Ich wusste nicht, wie es mit meiner Arbeit weitergeht, aber ich wusste, für welche Rollen ich nicht mehr zur Verfügung stehe. Und wenn meine Mutter wieder versucht hat, mich für das einzuspannen, was sie gerade glaubte zu brauchen, habe ich mich nicht mehr einspannen lassen.

Das ging nicht schnell. Und es ging nicht, indem ich das Neue herbeigezwungen habe. Es begann in dem Moment, in dem ich aufgehört habe, die alte Luft festzuhalten.

Fragen für deine Zwischenzeit

Was in deinem Leben hast du innerlich schon verlassen, obwohl du äußerlich noch darin wohnst?

Woran hältst du fest, obwohl es dich nicht mehr trägt?

Welche der drei Bewegungen kennst du am besten von dir: Festhalten, Überspringen oder Erstarren?

Wenn du nicht wissen müsstest, wie es weitergeht: Was würdest du heute trotzdem schon tun?

Schreib dir die Antworten auf. Ohne Zensur. Nur für dich.


Zwei Übungen für die nächsten Tage

Die Atempause. Setz dich einen Moment hin und beobachte deinen Atem, ohne ihn zu verändern. Achte auf den kurzen Moment nach dem Ausatmen, bevor der nächste Atemzug von selbst kommt. Drei, vier Atemzüge lang. Du musst nichts tun. Nur bemerken, dass der neue Atemzug kommt, ohne dass du ihn machst.

Die Inventur. Nimm ein Blatt Papier und teile es in drei Spalten. In die erste schreibst du, was schon gegangen ist. In die zweite, was gehen darf. In die dritte, was geblieben ist und dich trägt. Lass dir mit der dritten Spalte am meisten Zeit.


Du musst nicht wissen, wie es weitergeht

Die Zwischenzeit verlangt nicht, dass du schon eine Antwort hast. Sie verlangt nur, dass du aufhörst, gegen sie zu kämpfen.

Wenn du merkst, dass du gerade dazwischen stehst und das nicht allein tragen möchtest, dann schreib uns. In einer Aufstellung kann sichtbar werden, was dich im Alten festhält. Und für Frauen, die sich in dieser Zeit neu finden wollen, gibt es Die Rückkehr, neun Monate in einer kleinen Gruppe in Bad Soden.

Zur Aufstellung, Die Rückkehr und Kontakt

Wenn aus der Mutlosigkeit Hoffnungslosigkeit geworden ist und sie dich so fest im Griff hat, dass du kaum durch den Tag kommst, sprich bitte mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder einer Beratungsstelle. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

Unsere Arbeit ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Behandlung.

Sabine West

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Herzlich, Sabine und Klaus-Peter



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